Wochenmarkt in der Nordweststadt

Den Walther-Rathenau-Platz kennen selbst eingefleischte Karlsruher kaum oder gar nicht.

Ein Blick auf den Stadtplan hilft. Um die Suche zu erleichtern: Zwischen der wichtigen Nord-Süd-Verbindung Wilhelm-Hausenstein-Allee und der Bienwaldstraße gibt es eine asphaltierte Fläche, die den Namen des 1922 ermordeten Reichsaußenministers trägt. Nicht einmal 100 auf 100 Meter groß und kaum wirklich als Platz auszumachen. Man kann hier zigmal vorbeifahren, ohne die Fläche überhaupt wahrzunehmen. Ein Platz sieht üblicherweise auch anders aus…

Für die Bewohner der Nordweststadt allerdings ist der Walther-Rathenau-Platz eine wichtige Adresse, denn hier gibt es zweimal in der Woche Markt: Dienstag und Samstag sind Markttage (offiziell von 7.30 bis 14 Uhr, meist aber ist ab 13 Uhr schon „der Markt verlaufen“). Für manche Bewohner des Stadtteils ist das Angebot hier durchaus lebenswichtig, denn zu den nächsten Supermärkten schafft es nicht jeder zu Fuß. Oder nach einem größeren Einkauf nicht mehr zurück. „Für die Nordweststadt ist der Wochenmarkt weiterhin von großer Bedeutung“, sagt Dr. Raphael Fechler, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Nordweststadt, „auch wenn seine Bedeutung in Folge des sozialen und demografischen Wandels in den letzten Jahren etwas abgenommen hat.“

Und Fechler beklagt gleichzeitig einen schleichenden Verlust von Nahversorgungsstrukturen im Stadtteil. Allerdings: Eine Poststelle (um ein Beispiel anzuführen), die kann auch das Marktamt nicht liefern; das weiß auch der rührige Bürgergemeinschafts-Boss. Er weiß aber sehr zu schätzen, dass sich die Kunden des Wochenmarktes wieder über „den Anblick von bunten, saisonalen Blumensträußen freuen können“. Die gibt es erst wieder, nachdem sich die Hagsfelder Werkstätten (HWK) entschlossen, den Markt samstags zu beschicken. Topfpflanzen sind hier zu erwerben, auch Kräuter (und in der Nordweststadt wohnt kaum jemand ohne Gartenanteil), dazu gibt es Gemüsepflanzen aus eigenem Anbau – eine bunte saisonale Auswahl eben.

Das alles aber für einen guten Zweck zu marktüblichen, nicht überzogenen Preisen. „Sehr positiv“, resümiert Fechler im Namen der Stadtteil-Bewohner die Erweiterung des Angebotes durch die HWK. Als Wermutstropfen allerdings bewertet er das für den Herbst angekündigte Verschwinden des Schuhhändlers (derzeit noch 14-tägig an Samstagen) vom Markt. Üblicherweise sind (dienstags und samstags) zwei Gemüsehändler auf dem nicht wirklich wirtlich wirkenden Platz (aus Pfinztal und der nahen Pfalz); alles, was die Saison hergibt, wird hier produzentenfrisch angeboten. Dazu kommt, und das ist für den Stadtteil durchaus wesentlich, an Dienstagen ein Fisch- und Feinkosthändler, das „Mühlburger Fischeck“, als echte Alternative zum Pfälzer Geflügel-, Fleisch- und Wurstwarenstand, der auch – für alle Fälle – Konserven seiner Spezialitäten bereithält.

Auch Eier und Teigwaren sind im Angebot. Und natürlich dürfen frische Backwaren nicht fehlen, und das an beiden Markttagen, sogar von unterschiedlichen Anbietern: Dienstags ist es ein lokaler Händler, samstags duftet es von der wohlbekannten Bäckerei Minzbrueck aus dem (gerade so „elsässischen“) Scheibenhardt, inzwischen eine bekannte Größe in Sachen Backwaren auf fast allen Karlsruher Marktplätzen. Gegen den spontanen Hunger kann man mit frischen Hähnchen vom Grill (allerdings nicht immer) auch etwas Grundlegendes tun. Samstags ist das Angebot natürlich deutlich größer als unter der Woche, dann gibt es etwa noch Suppen und Gewürze, Honig und andere Produkte aus der Bienenhaltung und einen Metzger aus dem schwäbischen Teil des Schwarzwaldes.

Raphael Fechler sieht im Platz, so wie er ist, eine „wenig attraktive Asphalt-Ödnis“ – eine Einschätzung, der man nur schwerlich widersprechen kann. Die Menschen wünschten sich, so Fechler weiter, auf dem Areal ein soziales, geschäftliches und kommunikatives Zentrum, „benötigen dazu aber die Unterstützung aus Verwaltung und Politik.“ Das würde in seiner Einschätzung auch die Wochenmärkte dauerhaft und nachhaltig stärken. Ein dickes Plus aber gibt es noch: Parkplätze sind keine Mangelware. -hs
(Quelle: aus INKA Stadtmagazin No 88, 6/2013/Text/Fotos Harald Schwiers)

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